Tagebucheintrag

Taktisch wählen, aber wie? (Gastbeitrag) 99/365

Gastbeitrag eines Wahldresdners

Am kommenden Wochenende steht die Landtagswahl in Sachsen an. Und viele fragen sich, wie wähle ich, damit progressive Kräfte möglichst stark werden und die rassistisch-faschistoide AfD möglichst wenig Einfluss erhält?

Die entscheidende Stimme – die Zweitstimme (Listenstimme)

Die wichtigere von beiden Stimmen ist die Zweitstimme (Listenstimme). Mit ihr werden die Prozente berechnet, die die Parteien erhalten und damit entscheidet sich wie stark sie im Landtag vertreten sein werden.

Taktisch ist hier nur zu entscheiden, ob man eine Partei wählt, die vielleicht nicht über die 5-Prozent-Hürde kommt oder lieber eine, die die Hürde sicher schafft auch wenn sie nicht unbedingt der persönliche Favorit ist. Eine Stimme für eine Partei, die die 5-Prozent-Hürde nicht schafft (oder mindestens in zwei Wahlkreisen Direktmandate holt) ist nämlich eine verlorene Stimme. Eine Sache, der man sich bewusst werden muss.

Die Bedeutung der Erststimme (Direktstimme)

Anders sieht es mit der Erststimme (Direktstimme) aus. Sie geht an den*die Direktkandidat*innen im eigenen Wahlkreis und nur der*die mit den meisten Stimmen zieht in den Landtag ein. Will man hier progressivere Kräfte stärken, wählt man also am besten den*die Vertreter*in der fortschrittlicheren Parteien, der*die vermutlich am stärksten abschneiden wird, da Stimmen an chancenlose Kandidat*innen leider verloren sind (the winner takes it all).

Reale Chancen einen Wahlkreis zu holen haben in Sachsen wohl nur die CDU, die AfD, die Grünen und die Linke. Bei der letzten Landtagswahl hat die CDU noch alle Wahlkreise außer Leipzig 2 gewonnen, der an Juliane Nagel von der Linken ging. Bei dieser Wahl wird das aber in weiten Teilen anders aussehen. Viele Wahlkreise von Sachsen drohen an die AfD zu gehen, die bei der Europawahl als stärkste Partei nach Prozenten abschloss und viele Wahlkreise für sich entscheiden konnte.

Somit macht es Sinn, in den Wahlkreisen, wo sich ein*e Kandidat*in von Grünen oder Linke gegen CDU oder AfD durchsetzen kann, diese*n zu wählen. Diesen Fall haben wir aber allerdings nur in Wahlkreisen in den Großstädten Leipzig und Dresden. Dafür aber in fast allen dieser Wahlkreise.

In allen anderen Wahlkreisen wo CDU und AfD das Rennen wohl unter sich ausmachen muss man sich dann überlegen, ob man die Stimme nicht auch der CDU geben kann, um den*die AfD-Kandidat*in zu verhindern. Dazu sollte man sich auch den*die entsprechende*n Kandidat*in der CDU in dem Wahlkreis anschauen. Denn manche können ein Gewinn gegenüber dem*der AfD-Kandidat*in sein, andere dagegen so überhaupt nicht.

Die Erststimme (Direktstimme) kann bei dieser Wahl auch noch eine besondere Bedeutung gewinnen. Denn gewinnt eine Partei mehr Direktmandate, als ihr nach Zweitstimmen zustehen würde, bekommen die anderen Parteien entsprechende Ausgleichsmandate, bis die Verhältnisse nach Prozenten wieder dem Wahlergebnis in den Zweitstimmen entsprechen. Nur hat die AfD es ja in Sachsen nicht hin bekommen, eine gültige Liste mit Wahlvorschlägen einzureichen, womit ihre Kandidat*innen auf 30 begrenzt sind. Sie kann also nur bedingt ausgleichen und müsste ab dem 31. Mandat verzichten.

Wie sieht das nun in den einzelnen Wahlkreisen aus?

Im Internet findet man eine Seite, die Wahlempfehlungen gibt, um den den Einfluss der AfD möglichst zu begrenzen. Auch wenn ich nicht in allem was dort steht übereinstimme, ist die Unterseite zu den Direktstimmen super. Sie nennt jeweils den*die Kandidat*in, der*die den AfD-Kandidat*in am ehesten schlagen wird. Gebt dort bei Unterpunkt „2. Ihre Wahlkreis“ einfach die Nummer eures Wahlkreises ein (falls unklar, siehe Wahlbenachrichtigung) und ihr bekommt Namen und Parteizugehörigkeit genannt.

Das wird wie oben schon angedeutet in den meisten Fällen wohl ein*e CDU-Kandidat*in sein. In den sieben Leipziger Wahlkreisen, haben aber auch in drei Fällen Linke- und in weiteren drei Fällen Grünen-Kandidat*innen die besten Karten den Wahlkreis zu holen. In Dresden könnten fünf der sieben Wahlkreise an grüne Kandidat*innen gehen. Wie die momentane Prognose für euren Wahlkreis ist, könnt ihr hier erfahren. Aber bitte bedenkt, es handelt sich nur um eine Prognose bei der noch viele Unwägbarkeiten eine Rolle spielen.

Nun seid ihr also informiert und müsst selbst entscheiden was euch sinnvoll erscheint und was ihr mit eurem Gewissen vereinbaren könnt. Aber Hauptsache ist ihr geht wählen, solange es nicht die Nationalisten, Faschisten und Nazis sind. Auf eine positive Überraschung am kommenden Sonntag!

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