Tagebucheintrag

Darum nehme ich nicht am “Fest der Begegnung” teil 68/365

Dialog ist alternativlos“ (€) titelte die „Sächsische Zeitung“ bei einem Artikel, in dem sie über eine Veranstaltung berichtete, die gestern in Bautzen/Budyšin stattfand und bei der untere anderem auch das Thema miteinander kommunizieren und kommunale Dialogformate im Fokus standen. Dabei ging es vor allem um gut moderierte und kommunale Dialogformate.

Am Mittwoch wird nun ein „Fest der Begegnung“ in Bautzen/Budyšin, federführend organisiert von einigen SPDlern, unter Mitwirkung von einigen Linken, Grünen und anderen Gruppen, stattfinden. Die Intention der Veranstalter ist grundsätzlich sehr zu loben, da Begegnung “zwischen den Kulturen” in der Spreestadt noch deutlich häufiger stattfinden muss. Wir müssen uns begegnen, damit wir Vorteile abbauen und das, was einige Menschen als „fremd“ und damit vielleicht auch „bedrohlich“ erscheint, in positive Erfahrungen umgekehrt wird. Ich werde dennoch nicht teilnehmen. Bei dem „Tag der Begegnung“ soll auch Gruppen die Möglichkeit gegeben werden ihre Arbeit zu präsentieren, die in der Vergangenheit in Teilen mit Ansichten auftraten, die nicht mehr von unserem Grundgesetz gedeckt sind. Man hat das „Bürger Bündnis Bautzen e.V.“ sowie den „Bautzner Frieden n.e.V.“ zu der Veranstaltung eingeladen. Zwei Gruppen, bei denen teilweise Rechtsextreme mitwirken oder Friedenspreise an Menschen verliehen werden, die sich zuvor geschichtsrevisionistisch und teilweise antisemitisch geäußert haben. Diesen Vereinen wird auf dem „Fest der Begegnung“ eine Bühne geboten. Sie bekommen die Chance ihre Arbeit an Tischen zu präsentieren. 

Wenn mir dann von Organisatoren erklärt wird, dass man doch den Dialog führen müsse, wenn ich diese Punkte kritisiere, so ist dies auf der einen Seite richtig – der Dialog muss geführt werden – und auf der anderen Seite falsch – das Konzept des „Tag der Begegnung“ ist kein moderierter Dialog, sondern eine unmoderierte Präsentation von Inhalten an jeweils eigenen Tischen. Damit bekommen Gruppen die Möglichkeit dort unter Umständen ihre verschwörungsideologischen und rechtspopulistischen Schriften zu präsentieren oder dieses Gedankengut zu verbreiten. Natürlich gibt es viele reflektierte Menschen in Bautzen/Budyšin, die dem auch widersprechen werden, ich denke aber nicht, dass Parteien, die vorgeblich eine Politik gegen die rechten Strukturen in der Stadt machen wollen, Teilen der Strukturen eine Möglichkeit geben sollten, sich zu präsentieren und damit zu einer weiteren „Normalisierung“ in der Stadtgesellschaft beizutragen. 

Dialog ist wichtig – aber dies ist kein Dialog. Dort wird ihnen eine reine “Bühne” zur Präsentation ihrer kruden Ansichten geboten. Man sollte die Menschen, die den Vereinen angehören nicht von Veranstaltungen ausschließen, sie sollten wie alle anderen Bautzener*innen auch die Möglichkeit als Menschen bekommen sich dort zu begegnen, aus meiner Sicht ist es aber fatal, dass ihnen als Vereinen eine “Bühne” geboten wird. 

Ich möchte für eine Politik stehen, die sich klar von Rechtsextremen, Antisemiten und Geschichtsrevisionisten abgrenzt und dagegen immer wieder klar Stellung bezieht. Deshalb werde ich selbst an der Veranstaltung nicht teilnehme, da ich der stattfindenden Normalitätsverschiebung nicht Vorschub leisten möchte. Dinge, die für mich teilweise nicht mehr vom Grundgesetz gedeckt sind, werden von diesen Vereinen bzw. Menschen, die für sie aktiv sind oder kandidieren, vertreten. Ich könnte als Besucherin teilnehmen und an den Tischen widersprechen, ja! Aber dann nehme ich teil. Auch durch eine Teilnahme, bei der man Widerspruch übt, ist man Teil und trägt dazu bei, dass Dinge toleriert werden, die man – aus meiner Sicht – nicht tolerieren darf: Rechtsextremes Gedankengut, Geschichtsrevisionismus, Antisemitismus… 

Ich komme gerne am Vormittag bei der Maifeier des DBG auf dem Kornmarkt mit Menschen ins Gespräch! Eine Teilnahme an dem „Fest der Begegnung“ wird aus den oben dargelegten Gründen aber nicht geben. Ich möchte nicht dazu beitragen, dass Antisemitismus und Geschichtsrevisionismus in unserer Gesellschaft weiter „normalisiert“ werden!

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