Tagebucheintrag

Doku über Bautzen/Budyšin 41/365

Bautzen/Budyšin steht in den Medien spätestens seit dem Herbst 2016 als Inbegriff für einen Ort im Osten Deutschlands, der mit rechtsextremen Strukturen zu kämpfen hat und in dem weite Teile der Zivilgesellschaft schweigen. In diesem Jahr wird es nicht nur in der Spreestadt, sondern in ganz Sachsen spannend: Die Wahlen auf kommunaler und auf Landesebene stehen an.

Das rief nun auch ein Fernsehteam auf den Plan, die “Sächsische Zeitung” berichtete bereits vor einigen Tagen darüber. Es soll eine Serie mit zehn halbstündigen Reportagen entstehen, bei der einige Protagonist*innen ab Frühjahr in Bautzen/Budyšin mit der Kamera begleitet werden.

Nach derzeitigem Stand werde ich – neben vielen andern Menschen – eine der Protagonist*innen sein. Auch der Bauunternehmer Jörg Drews (Hentschke Bau) steht auf der Wunschliste der Fernsehmacher. Einen ersten Dreh hatte das Team bereits: Es war bei der Diskussionsveranstaltung in der Maria-Martha-Kirche zugegen. Die weiteren Drehtermine werden zwischen Frühjahr und Herbst diesen Jahres sein und damit die Phasen der Wahlkämpfe und der Wahlen in der Spreestadt begleiten. Es bleibt zu hoffen, dass diese Drehtermine weniger hassgeladen und emotional ablaufen, wie der Auftakt bei der Dialogveranstaltung, die eigentlich “zurück zur Sachlichkeit” führen sollte und damit in der Doku-Serie ein differenziertes Bild von Bautzen/Budyšin gezeichnet wird.

One Comment

  • Ulrich Ingenlath

    Ein Bautzen-Zehnteiler?
    Ich denke, dass das ein schwieriges Unterfangen und eine positive Herausforderung zugleich werden kann. Bautzen ist ja – trotz der Einwohnerzahl – vom Charakter und den sozialen Millieus her eine `Kleinstadt´- und dazu noch eine verwundete Stadt. Eine Kommune, die sich selbst und von denen sich viele ihrer BewohnerInnen zu Unrecht in einen politischen Rechtsaußen-Focus gerückt sehen.
    Wenn jetzt ein Zehnteiler über Bautzen entsteht, dann wünsche ich den MacherInnen dieser Reihe, dass Selbige über die entsprechende Sensibilität und vor allem über den weiteren historischen Horizont verfügen, um der Stadt und der Region gerecht zu werden.
    Bautzen ist für mich als Bautzener vor allem ein Kristallisationspunkt der Probleme Ostsachsens insgesamt. Die Region ist eine historisch gesehen `Verwundete´ – durch Nationalsozialismus, Shoah, Krieg, Flucht und Vertreibung, sowjetisches Besatzungsregime, durch SED-Diktatur und den menschlichen Exodus vor und nach der Wende.
    Was wir brauchen, ist mehr qualifizierte Zuwanderung, mehr Weltoffenheit und und eine modernere Landespolitik, welche an mehr als nur den puren Machterhalt nach über 28 Jahren politischer Macht interessiert ist.
    Unsere Defizite sind nahezu alle landes- und regionalpolitisch `hausgemacht´- und nicht durch 0,4 Prozent der zumeist wohlgesinnten Migranten, welche hier leben.

    Ich denke, die Region ist nicht verloren und verdient eine positivere Außenwahrnehmung. Das funktioniert aber nicht, wenn kritische Menschen `weggebissen´werden und hier phasenweise Millieus politisch hofiert werden, welche sich einem verqueren und geschichtlich unheilvollem `Gestern´ verschreiben, welches von `Deutsch- und Sachsentümelei´ geprägt war .

    Bautzen ist als Ort in der Welt nichts Besonderes – so sehr wir uns das vielleicht immer wieder wünschen oder herbeischreiben. Es sollte aber eine Stadt sein, wo für jeden Platz ist, sein Leben frei und selbstbestimmt zu leben, ohne bedroht oder stigmatisiert zu werden. Die ersten Schritte dahin sind ja schon getan und weitere werden in diesem Jahr folgen. Der Stadt und der Region ist dabei viel Erfolg zu wünschen.

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