Sachsen verstehen,  Tagebucheintrag

Sachsen verstehen I: Unter Sachsen 33/365

Heute beginne ich hier auf dem Blog mit einer neuen Kategorie an Beiträgen. Die Kategorie heißt – wie ihr an der Überschrift schon erkennen könnt – “Sachsen verstehen”. Neben den bereits erwähnten Tagebucheinträgen und den Artikeln, in denen ich Eure Fragen beantworte, werde ich in dieser Kategorie Literatur vorstellen, die mir half Sachsen besser zu verstehen. Es werden Literaturempfehlungen, die eine Mischung sind aus reiner Empfehlungen, Rezension und dem was das Buch unter Umständen auch in Sachsen ausgelöst hat. Meist wird ein Aspekt überwiegen. Mal wird es eher eine Empfehlung, mal eine Rezension und ein anderes Mal wird eher die Rezeption im Mittelpunkt der Beiträge stehen. Insgesamt wird es ca. zwölf Beiträge in dieser Kategorie geben.

Heute beginnen wir mit einem Buch, das im Jahr 2017 für viel Aufsehen und auch etwas Aufregung im Freistaat gesorgt hat: “Unter Sachsen. Zwischen Wut und Willkommen”, herausgegeben von Heike Kleffner und Matthias Meisner. Das Buch ist im Buchhandel, aber auch in einer günstigeren Sonderausgabe bei der Bundeszentrale für politische Bildung erhältlich. Der Klappentext von “Unter Sachsen. Zwischen Wut und Willkommen” lautet:

Sind die sogenannten sächsischen Verhältnisse mit der Pegida-Bewegung und den vielen rechten Gewalttaten ein auf den Freistaat begrenztes Phänomen? Oder muss die zunehmende Radikalisierung der gesellschaftlichen Mitte als Vorbote künftiger politischer Veränderungen in ganz Deutschland verstanden werden? 
Die Frage »Warum Sachsen?« wird von vielen gestellt. In diesem Buch begeben sich über 40 Autorinnen und Autoren auf die Suche nach Antworten. In Analysen, Interviews, literarischen Texten und sehr persönlichen Kommentaren beleuchten sie beispielsweise den Zustand der sächsischen CDU, die Hintergründe der Pegida-Bewegung und der AfD in Sachsen oder die eigenen Erfahrungen mit Rassismus. Zahlreiche Reportagen zeigen die Verhältnisse vor Ort, in Leipzig oder Dresden ebenso wie im Erzgebirge und in Bautzen. Dazu gehört auch die Kreativität der Zivilgesellschaft, die vielerorts mit dem Rücken zur Wand demokratische Werte verteidigt.

Schon die Buchpremiere in Berlin war ein Politikum. Sie war ursprünglich in der sächsischen Landesvertretung in Berlin angekündigt, die dann plötzlich nicht mehr für die Premiere zur Verfügung stand. Die Veranstaltung konnte im Endeffekt in der Landesvertretung Thürigens stattfinden. Und auch bei den Präsentationen des Buches in Sachsen selbst, kam es zu der einen oder anderen unvorhergesehnen Schwierigkeit. In Meißen sorgte eine Buchvorstellung mit anschließender Diskussion für einiges Aufsehen. In einem Artikel der “Frankfurter Allgemeinen Zeitung” heißt es dazu:

Der Tenor vieler lautete, wenn schon nicht das Buch, dann wenigstens die Lesung zu verbieten. Ein Widerspruch des Stadtrates oder ein klarer Satz des Oberbürgermeisters blieben aus. Stattdessen zerstritt sich der Stadtrat, und der (parteilose) Oberbürgermeister tauchte ab – allerdings nicht ohne die Benutzerordnung für den Ratssaal zu hinterlassen, wonach politische Diskussionen dort nicht zulässig seien

Nach einigem Hin und Her fand die Lesung im Endeffekt im Ratsaal statt, allerdings ohne die geplante Diskussion. Auch bei der Lesung in Bautzen/Budyšin, die das “Sorbische Institut” gemeinsam mit der Domowina, dem Dachverband der Lausitzer Sorben, und der Heinrich-Böll-Stiftung Sachsen veranstaltet wurde, gab es im Vorfeld bedenken. Allerdings nicht direkt wegen des Inhalts des Buches, sondern wegen der Sicherheit der Veranstaltung, da Rechte im Vorfeld der Lesung und Diskussion dazu aufgerufen hatten, die Veranstaltung zu stören. Die Veranstaltung in Bautzen/Budyšin fand also unter verschärften Sicherheitsvorkehrungen statt: Neben einem privaten Sicherheitsfirma waren Polizisten im Raum der Lesung vertreten. Die Sorge war unbegründet – ein bekannter Rechter wurde von Sicherheitsleuten an der Tür abgewiesen – ansonsten verlief die Veranstaltung ruhig.

Für mich persönlich war das Buch sehr lesenswert und hat mir, die ich zu dem Zeitpunkt des Erscheinens des Buches gerade etwas über ein Jahr in Sachsen gelebt habe, sehr viele Hintergründe zum Freistaat näher gebracht, die mir dann halfen das Verhalten einiger Politiker*innen und Parteien besser zu verstehen. Es war weniger der Beitrag zu Bautzen/Budyšin, die Hintergründe zu der Spreestadt, waren mir damals bereits bekannt, sondern vielmehr die Beiträge über CDU, die Polizei und die anderen Orte in Sachsen (etwa Hoyerswerda, Freital oder auch Colditz).


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