Tagebucheintrag

Bautzen – wir müssen reden 24/365

Ich hatte bereits in einem Beitrag in dieser Woche geschrieben, dass in Bautzen/Budyšin Anfang Februar eine Diskussionsveranstaltung stattfinden soll, bei der Jörg Drews – u.a. Geschäftsführer von “Hentschke Bau” und Veranstalter rechtspopulistischer Veranstaltungen in der Stadt – und ich auf dem Podium sitzen werden. Wie groß der Diskussionsbedarf in der Stadt ist, hat die Vergabe der Karten gezeigt, die von der Stadt leider denkbar schlecht kommuniziert war. Innerhalb weniger Stunden waren die Karten für den Raum im Burgtheater, der 180 Menschen fasst, vergriffen. Die St. Petri-Gemeinde in Bautzen/Budyšin bot der Stadt die Maria-Martha-Kirche an, in der deutlich mehr Menschen Platz finden, sodass hoffentlich alle Menschen, die diskutieren möchten auch Zutritt erhalten.

Ich selbst sehe das Format kritisch! Sehr kritisch! Wenn der Oberbürgermeister nicht in einem Interview zum Jahresbeginn angekündigt hätte, dass er Jörg Drews und mich zu einer Diskussionsveranstaltung einladen möchte, hätte ich die Einladung nicht angenommen. Da aber bereits publiziert war, dass eine Einladung erfolgen soll, ehe die Anfrage der Stadt kam, sah ich mich mehr oder weniger gezwungen die Einladung anzunehmen, da man mir andernfalls den Vorwurf hätte machen können, dass ich mich keinen Diskussionen in der “analogen Welt”, im realen Leben, abseits der sozialen Medien stellen möchte. Das möchte ich sehr gerne! Allerdings bei Formaten, die aus meiner Sicht zielführend sind.

Es macht aus meiner Sicht keinen Sinn, dass man bei dem Auftakt einer Reihe an Veranstaltungen, die dem Dialog in der Stadt dienen sollen, zwei Personen auf das Podium setzt, die derart polarisieren. Aus meiner Sicht gehören auf das Podium eines solchen Auftaktes die Vertreter*innen der im Stadtrat vertretenen Parteien. Aber so soll es aus Sicht der Stadtverwaltung nicht sein. Man setzt lieber Personen auf das Podium, die derart polarisieren, dass ich die Gefahr sehe, dass man nicht über das Miteinander in der Stadt redet, sondern über die Postionen der beiden Personen, die in jeweils anderen Teilen der Stadtbevölkerung sehr umstritten sind.

Schon bei dem kleineren Rahmen im Burgtheater mit 180 Menschen sah ich das Problem, dass aus meiner Sicht durch den deutlich größeren Rahmen in der Kirche – 450 Menschen, wenn man die Emporen nicht öffnet, andernfalls deutlich mehr – noch verschärft wird. Leider hat man in der Stadtverwaltung und in der St. Petri-Gemeinde überstürzt gehandelt und zu schnell einen größeren Raum gesucht. Die Wut einiger, die keine Karte erhielten, hätte sich vermutlich schnell gelegt. Da es nur der Auftakt einer Reihe weiterer Veranstaltungen dieses Formats werden soll, hätte man dann für weitere Diskussionen von Beginn an einen größeren Raum planen können.

Die Veranstaltung hat, auch wegen der großen Nachfrage nach den Karten, mehr mediale Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Die Veranstaltung soll gefilmt und eventuell auch gestreamt werden. Sollte die Diskussion aus dem Ruder laufen, was ich nicht hoffe, so könnte das Ganze mal wieder nach hinten losgehen und Bautzen/Budyšin wieder in die Schlagzeilen kommen.

Ich selbst würde mich freuen, wenn ich mich täusche und an dem Abend eine wirkliche und konstruktive Diskussion über das Miteinander in der Stadt Bautzen/Budyšin geführt wird!

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