Tagebucheintrag

Politisch Handeln 18/365

Am Freitag, den 18. Januar 2019, fand im Hygienemuseum in Dresden die Demokratietagung “Politisch Handeln im autoritären Sog” statt. In diesem Beitrag möchte ich keinen Bericht der Gesamtveranstaltung geben, sondern den Fokus darauf legen, was ich für mich und meine Arbeit aus dem Treffen mitnehmen konnte.

Neben einer Podiumsdiskussion, bei der zunächst über das Thema der Tagung an sich diskutiert wurde, konnten sich die Teilnehmer*innen jeweils für einen Themenbereich entscheiden, in dem man jeweils einen theoretischen Impuls sowie einen praktischen Workshop besuchen konnte. Die Themenfelder waren “Zusammenstehen”, “Streiten”, “Standhalten im Sog” sowie eine Arbeitsgruppe von Kommunalpolitiker*innen. Ich entschied mich – auch und vor allem mit Blick auf Bautzen/Budyšin – für den Impuls zum Thema “Streiten” mit dem Workshop “Schöner Streiten im Netz”.

Der Workshop war für mich gut und wichtig. Mit Blick auf mein liebstes soziales Medium – Twitter – konnte ich nicht sehr viel mitnehmen, da ich dort schon sehr aktiv bin. Mit Blick auf Facebook, bei dem mir die Kultur der Diskussion bisher etwas zuwider war, konnte ich einige interessante Anregungen und auch Gruppen mitnehmen, die es für mich in Zukunft vielleicht erreichen, dass ich auf Facebook aktiver werde und eventuell auch aktiv in Diskussionen einsteigen werden.

Wichtiger war für mich der theoretische Impuls, den Hanna Eitel von der Stiftung Weiterdenken gab, in dem es darum ging, wie wir streiten. In der Ankündigung hieß es:

“Wie diskutieren wir? Hassrede und Hetze auf der einen und widerspruchsloser Dialog auf der anderen Seite? Die rechte Bewegung will nicht reden, sondern Recht bekommen. Dennoch fordern viele im Namen der Demokratie den Dialog mit ihr. Demokratie braucht eine Streitkultur: Klarer Widerspruch zu Menschenfeindlichkeit sowie kontroverse Debatten, in denen alle mitreden dürfen und ihre unterschiedlichen Haltungen einbringen. Was meinen Rechte und Konservative mit Dialog und Debatte? Und was macht hingegen egalitäre und emanzipatorische Debatten aus? Wer wird gehört und repräsentiert? Wie will eine demokratische Gesellschaft streiten und wo zieht sie Grenzen?”

Aus der Ankündigung zu dem Impuls von Hanna Eitel, Stiftung Weiterdenken

Gerade mit Blick auf anstehende Diskussionen, die in diesem Jahr – nicht nur im Kontext des Wahlkampfes für die Kommunal- und Landtagswahlen in Sachsen – stattfinden werden, ein aus meiner Sicht außerordentlich wichtiges Thema. Wichtig für alle und insbesondere für Menschen, die sich kontroversen gesellschaftlichen Diskussionen stellen wollen.

Für mich war der Impuls von Hanna Eitel eine wichtige Anregung darüber zu reflektieren, wie wir selbst – als Demokrat*innen – diskutieren möchten und welche Ansätze es gibt, sich in solchen Diskussionen zu verhalten, aber vor allem auch darüber nachzudenken, was etwa “völkisch-autoritäre” Gruppen in solchen Diskussionen/Dialogen für Ziele verflogen. Ich stehe Diskussionen mit rechten Gruppen oder Akteuren schon immer sehr kritisch gegenüber, lasse mich zuweilen aber darauf ein. Mit dem Hintergrund, den ich gerade mit Blick auf deren Gesprächs- und Dialogstrategien, nochmal bekam, sehe ich mich bestärkt in Diskussionen mit ihnen nur mit Spielregeln zu gehen.

Auf meinem Zettel habe ich mir zu gesellschaftlichen Diskussionen nur einen Satz unterstrichen: Es ist ein Kampf um Hegemonie und kein Versöhnungprojekt!

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