Tagebucheintrag

Netzwerken 19/365

Am Samstag, den 19. Januar 2019, fand das 16. Treffen des Netzwerkes Tolerantes Sachsen statt, an dem Menschen von Initiativen und Vereinen aus dem ganzen Freistaat teilnahmen und sich austauschten. In diesem Beitrag möchte ich keinen Bericht der Gesamtveranstaltung geben, sondern den Fokus darauf legen, was ich für mich und meine Arbeit aus dem Treffen mitnehmen konnte.

Als Überraschung gab es zum Auftakt der Tagung des Netzwerkes einen Impuls des freien Journalisten und Autors, Michael Bittner, in Sachsen auch bekannt durch eine Kolumne in der “Sächsischen Zeitung”, in der er sich mit dem Politikwissenschaftlerm Prof. Werner Patzelt einen verbalen Schlagabtausch lieferte. Seine Worte waren sehr anregend über gewisse Sachverhalte nochmal genauer nachzudenken. Ich habe bisher immer im Kopf gehabt, dass unser (gemeint mit “uns” sind alle Demokrat*innen) gemeinsamer Gegner die AfD ist. Michael Bittner sagte, dass der größte Gegner in diesem Jahr die Angst sei.

Vielleicht stimmt dies und das sogar. Und zwar, meiner Meinung nach, in zweierlei Hinsicht: Die unberechtigten Ängste, die durch andere – die AfD, Pegida & Co – geschürt werden und immer mehr Menschen in die Fänge von rechten Bewegungen und bei der Abstimmung zu rechten Parteien treiben. Und auf der anderen Seite unsere eigene Angst, dass wir in diesem Jahr im Frühjahr bei den Kommunal- und im Herbst bei den Landtagswahlen vielleicht doch nicht “mehr” sind.

Ich für mich habe aus dem Impuls von Michael Bittner mitgenommen, dass wir uns nicht selbst von unseren eigenen Ängsten vor einer rechten Mehrheit nach den Abstimmungen treiben lassen sollten, sondern vielmehr Themen setzen und bis zu den Wahlen jeweils noch für unsere Standpunkte kämpfen sollten, ohne uns permanent am rechten Agenda Setting abzuarbeiten.

An das Setzen der eigenen Themen und das Planen konkreter Ideen ging es dann in den zwei Teilen des Netzwerktreffens. Am Vormittag standen unterschiedliche Themen auf dem Plan und am Nachmittag die regionale Vernetzung. Am Vormittag ging es unter anderem um das gemeinsame Analysieren und Diskutieren, um gemeinsame Aktivitäten im Wahljahr, um die politische Bildungsarbeit, um die Arbeit in Kultur und Sport und eine thematische Gruppe, die sich mit der Frage “gemeinsam auswandern – oder doch nicht?” beschäftigte.

Ich besuchte die Diskussion zum Thema “Analysieren” und entsprechend meiner Wahlheimat am Nachmittag das Vernetzungstreffen zu Ostsachsen, bei dem ein Fokus auf den Aktivitäten in Ostritz lag, wo rechte in der Vergangenheit Nazifestivals und Kampfsportveranstaltungen abhielten und dies auch für dieses Jahr wieder machen werden.

Alles in allem sind solche Netzwerktreffen in Sachsen – und vermutlich auch in anderen Bundesländern – immer eine schöne Gelegenheit, um Menschen wieder zu sehen, die man bereits bei anderen Veranstaltungen kennengelernt hat oder bisher nur aus den sozialen Netzwerken kennt. Neben dem inhaltlichen Arbeiten, sind deshalb vor allem die Pausen wichtig, bei denen man Menschen wiedersehen oder kennenlernen kann. Der Tag beim Netzwerktreffen hat mir gezeigt, dass wenn ich bei weitem auch nicht bei allen Aktionsideen für dieses Jahr zustimme, da sie aus meiner Sicht teilweise naiv und Ressourcenverschwendung sind, so sind doch Ideen entstanden, die ich auch für Bautzen/Budyšin und die Region mittragen würden oder für die ich mich an anderen Orten in Sachsen einbringen würde.

Das Netzwerktreffen zeigte mir wieder deutlich, dass ich derzeit im für mich richtigen Bundesland lebe. Es gibt viele tolle Menschen, die auch und gerade im Wahljahr 2019, in Sachsen etwas bewegen möchten!

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