Tagebucheintrag

“AfD? Adé!” in Riesa 12/365

An diesem Wochenende findet in Riesa der Europa-Parteitag der AfD statt, in einer Stadt, in der bei der Bundestagswahl 2017 30,8 Prozent der Zweitstimmen an die AfD gingen. Dagegen rief gestern ein breites Bündnis zu Gegenprotest auf, diesem folgten rund 1000 Menschen.

1000 Menschen hört sich für Demonstrationen gegen die AfD in Sachsen zunächst einmal sehr gut an. Wenn man allerdings bedenkt, dass es sich um einen Parteitag der Bundespartei und nicht etwa eines Kreisverbandes oder eines Landesverbandes, so komme ich ins Grübeln. Die AfD nutzt hier, hier aus meiner Sicht, bewusst Sachsen, um möglichst in Ruhe und mit wenig Gegenwind ihren Parteitag abhalten zu können. Aus meiner Sicht müssten hier weite Teile der demokratischen Zivilbevölkerung auf die Straße gehen, um gegen die Politik der Partei zu demonstrieren. Der Aufruf von “AfD? Adé!” wurde auch von einem sehr breiten Bündnis getragen: “Aufstehen gegen Rechts”, “Bündnis 90/Die Grünen Sachsen”, die “SPD Sachsen”, “Die Linke Sachsen”, Jugendorganisationen der Parteien, die NaturFreunde Deutschlands und viele andere Organisationen und Einzelpersonen mehr. Insgesamt ein so breites Bündnis, dass man sich eigentlich auf eine bunt gemischte Demo von Jung und Alt freuen konnte. Das im Endeffekt rund 1000 Menschen in Riesa gegen den Parteitag auf die Straße gegangen sind, fand ich gut. Allerdings habe ich das “bürgerliche Publikum” vermisst. Wenn eine Stadt von einer rechten Partei auserkoren wird, dass dort der Bundesparteitag zum Thema “Europa” stattfindet, wenngleich es der Partei am Liebste wäre, wenn Deutschland aus der EU, die seit Jahrzehnten Friedensgarant innerhalb Europas ist, austritt, erwarte ich eigentlich von weiten Teilen der Bevölkerung der Umgebung, dass sie dagegen aufstehen, um zu zeigen, dass der Parteitag dort nicht willkommen ist!

Dass im Kontext von Redebeiträgen auf der Demo dann der Hashtag, der sich im Kontext von Chemnitz in vergangenen Jahr etablierte, #wirsindmehr wieder hervorgekramt wurde, so war dies schon etwas zum fremdschämen. Zum einen, weil ich ohnehin denke, dass der Hashtag schon in Chemnitz unzutreffen war. Zum anderen, weil es aus meiner Sicht nicht legitim ist, eine festgelegte Nummer an Delegierten mit der Zahl der mobilisierten Gegendemonstranten zu vergleichen und sich dann zu feiern: #wirsindmehr! Zu dem Hashtag werde ich wohl in den kommenden Tagen noch einen gesonderten Beitrag feiern.

Aber nun sollte ich vielleicht meinen Frust darüber vergessen, dass gestern in Riesa sich wohl wieder dieselben 1000 Menschen, die es immer sind, den Arsch vor der SachsenArena, in dem der Parteitag der AfD stattfand, abgefroren haben und nun, nachdem ich den Beitrag für gestern verspätet veröffentlicht habe, den Sonntag genießen!

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